Hal­lo, ich bin Gi­se­la

Die­ses Vi­deo bei You­Tubeauf dem Ka­nal der Ve­zeG-In­itia­ti­ve

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Hal­lo ich bin Gi­se­la

Ich habe zu­nächst ei­ni­ge Jah­re in mei­nem er­lern­ten Be­ruf als tech­ni­sche Zeich­ne­rin ge­ar­bei­tet. Durch Mut­ter­schaft und vie­le da­mit ver­bun­de­ne Um­stän­de habe ich die­sen Be­ruf je­doch an den Na­gel hän­gen müs­sen.

Spä­ter habe ich di­ver­se Jobs in Zeit- bzw. Leih­ar­beit aus­ge­führt und trotz Voll­zeit­be­schäf­ti­gung muss­te ich mei­nen Lohn oft durch fi­nan­zi­el­le Un­ter­stüt­zung vom Amt auf­sto­cken. Zu­letzt habe ich als Kö­chin ge­ar­bei­tet.

Mit fort­ge­schrit­te­nem Al­ter wur­de ich aber lei­der ar­beits- bzw. ein­kom­mens­los und lan­de­te erst beim Ar­beits­amt und spä­ter beim Job­cen­ter in Düs­sel­dorf, die für mich zu die­ser Zeit ver­wal­tungs­tech­nisch zu­stän­dig wa­ren.

Nach Un­stim­mig­kei­ten be­züg­lich der Miet­zah­lun­gen di­rekt vom Job­cen­ter an mei­nen da­ma­li­gen Ver­mie­ter wur­de ich aus mei­ner Woh­nung zwangs­ge­räumt. Ich war zu die­ser Zeit 60 Jah­re alt.

Als lang­jäh­ri­ge Mie­te­rin und auf­grund mei­nes Al­ters hät­te ich wohl ei­nen ge­wis­sen Kün­di­gungs­schutz ge­habt, aber nie­mand hat­te mich dies­be­züg­lich be­ra­ten oder mir ge­hol­fen. Zu die­ser Zeit war ich be­reits mit mei­nen see­li­schen Kräf­ten völ­lig am Ende. Au­ßer­dem hat­te ich den Ein­druck, dass alle Sei­ten nur In­ter­es­se an ei­ner schnel­len Räu­mung mei­ner Woh­nung hat­ten.

Am Tag der Zwangs­räu­mung konn­te ich nur noch vol­ler Pa­nik ein paar mei­ner Sa­chen grei­fen. Alle an­de­ren Hab­se­lig­kei­ten wur­den von ei­ner Spe­di­ti­on ein­ge­la­gert.

Aus­ge­löst durch all den Är­ger und die durch­leb­te Zwangs­räu­mung er­litt ich ei­nen see­li­schen und kör­per­li­chen To­tal­zu­sam­men­bruch und lan­de­te im Kran­ken­haus.

Als ich mich kurz nach mei­ner Ent­las­sung aus dem Kran­ken­haus bei der Spe­di­ti­on, bei der mei­ne Sa­chen ein­ge­la­gert wa­ren, nach dem Ver­bleib die­ser er­kun­dig­te, wur­de mir von die­ser mit­ge­teilt, dass all mei­ne Sa­chen — also mein ge­sam­tes Hab und Gut — be­reits ent­sorgt wur­den.

Das um­fass­te jeg­li­che Klei­dung, alle mei­ne wich­ti­gen Pa­pie­re und Un­ter­la­gen so­wie sämt­li­che fa­mi­liä­re und per­sön­li­che Er­in­ne­rungs­stü­cke usw.. Die Ent­sor­gung all mei­ner Hab­se­lig­kei­ten ge­schah be­reits 20 Tage nach der voll­zo­ge­nen Zwangs­räu­mung und war ein wei­te­rer un­be­schreib­li­cher Schock für mich.

Ich selbst wur­de — zu mei­nem Glück — in der städ­ti­schen Not­un­ter­kunft von Düs­sel­dorf un­ter­ge­bracht, wo ich ein klei­nes Zim­mer zum Schla­fen mit ei­ner Koch­ecke so­wie an­fäng­lich mit ei­nem klei­nen ge­mein­schaft­lich ge­nutz­ten Bad be­woh­nen konn­te.

See­lisch und kör­per­lich schwer an­ge­schla­gen, ver­su­che ich seit­dem, mir von Grund auf eine neue Exis­tenz auf­zu­bau­en. Da­bei kann mir je­doch kein Geld der Welt mei­ne per­sön­li­chen Ver­lus­te er­set­zen. Auch die Wie­der­be­schaf­fung von mir sehr wich­ti­gen Din­gen ist mir fi­nan­zi­ell nicht mög­lich.

Na­tür­lich weiß ich, dass mein Schick­sal kein Ein­zel­fall ist. Das durf­te ich nicht nur in der städ­ti­schen Not­un­ter­kunft in Düs­sel­dorf er­le­ben. Auch auf­grund mei­ner per­sön­li­chen Er­fah­run­gen un­ter­stüt­ze ich ak­tiv die Idee ei­nes “Volks­ent­scheids zum exis­ten­zi­el­len Grund­recht” — kurz Ve­zeG ge­nannt, da alle Men­schen ein Grund­recht auf Exis­tenz ha­ben und so­mit auch ein ge­setz­lich ver­brief­tes Recht auf die Nut­zung ei­ner an­ge­mes­se­nen Woh­nung.

Ich möch­te nicht mehr in ei­ner Ge­sell­schaft le­ben, die auf Ba­sis ei­ner stän­di­gen und im­mer ex­zes­si­ver wer­den­den exis­ten­zi­el­len Er­pres­sung ba­siert wo­durch im­mer mehr Men­schen see­lisch so­wie kör­per­lich vor die Hun­de ge­hen.


Das Bild im Hin­ter­grund des Vi­de­os zeigt den Platz zwi­schen dem Bun­des­kanz­ler­amt, der Schwei­ze­ri­schen Bot­schaft und dem Paul-Löbe-Haus im Ber­li­ner Re­gie­rungs­vier­tel, an dem — im Zen­trum der po­li­ti­schen Macht — ei­gent­lich das Bür­ger­fo­rum ent­ste­hen soll­te. Wei­ter In­fos dazu fin­det Ihr in dem Bei­trag „Das lei­se (Ab-) Ster­ben des Bür­ger­fo­rums“.



2 Kommentare zu “Hal­lo, ich bin Gi­se­la”

  1. Habe Euch am Sams­tag am Pots­da­mer Platz ge­trof­fen. Ich hof­fe ihr wart beim Ren­ten­be­ra­ter, und habt Eu­rer Recht ge­mäß GG
    Art 3,Abs.1 gel­tend ge­macht.
    Mit freund­li­chen Grü­ßen Stef­fen

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